Atlas-Therapie & Kiss Syndrom

Für Erwachsene, Kinder & Säuglinge

Hier erfahren Sie Wissenswertes zu unseren Therapieangeboten und den Therapeuten.

Ärztin: Hilke Lüder                    PDF Vorstellung (97.2 KB)

Die Atlastherapie stellt ein neurophysiologisches Konzept zur Beeinflussung von motorischen Störungen unterschiedlicher Ursache sowie Schmerzzuständen des Bewegungssystems dar. Sie unterscheidet sich in Durchführung, Zielsetzung und Resultat grundlegend von der herkömmlichen Chirotherapie. Die Atlastherapie wirkt vor allem auf die Steuerung des unwillkürlichen Nervensystems (Vegetativum), das Gleichgewichtssystem, die allgemeine Muskelspannung, die Eigenwahrnehmung des Körpers und dient auch zur Beseitigung sogenannter "Blockierungen". Der erste Halswirbel heißt Atlaswirbel (Abb.). Hier setzt die Therapie an.


Kopf und Halswirbelsäule von hinten
1 Atlasbogen, 2 Atlasquerfortsatz
Kopf und Halswirbelsäule von hinten
Schädelbasis von unten mit hervorgehobenemAtlaswirbel
Schädelbasis von unten mit hervorgehobenem Atlaswirbel

 

teilweise als alleinige Therapie oder in Kombination mit anderen Behandlungstechniken (s. manuelle Medizin)
  • Schmerzsyndrome der Wirbelsäule, Wirbelsäulenasymmetrien, cervicogener Kopfschmerz, funktionelle Bewegungsstörungen wie Neigung zu wiederholten Wirbel- oder Beckenfunktionssstörungen, meist „Blockierungen“ genannt.
  • Bestimmte Formen des Schwindels, Gleichgewichtsstörungen und Tinnitus (Ohrgeräusch), Tieftonhörsturz, Schluckbeschwerden und Kloßgefühl, Stimmstörungen, Sprachentwicklungsverzögerungen.
  • Sensomotorische Entwicklungsstörungen bei Säuglingen und Kindern, Schräglagedeformität des Säuglings, sog. KISS-Syndrom (Kopfgelenk induzierte Symmetriesstörung).
  • Dyskoordination des Kiefergelenksystems mit Auswirkungen auf Verkettungen des Bewegungssystems. bestimmte Sehstörungen, vegetative Störungen (Schwitzen, kalte Füße ...)
  • Verbesserung der Beweglichkeit und Koordination bei neurologischen Erkrankungen: MS, zerebrale, d.h. spastische Bewegungsstörungen bei Kindern und Erwachsenen, Morbus Parkinson, Zustand nach Schlaganfall.

Bei den letztgenannten Erkrankungen kann die Atlastherapie immer nur befristet helfen, sie muss also im Abstand von Wochen bis Monaten wiederholt werden.

Atlas heißt in der griechischen Sage der Titan, der das Himmelsgewölbe trägt, im medizinischen Sprachgebrauch wird der oberste Halswirbelkörper Atlas genannt:. Er trägt den Kopf. Muskeln und Bindegewebe um den Atlas herum sind außerordentlich dicht mit Nerven (Rezeptoren) versorgt. Sie haben direkte Verbindungen zum
  • Kerngebiet des Gleichgewichtsorgans,
  • zu Hirnzentren, in denen Grob- und Feinmotorik, Bewegung (u.a. Augen- und Kiefergelenk) und Haltung geplant wird.
  • Diese Rezeptoren sind mittelbar auch an der Verarbeitung von Schmerzsignalen beteiligt.

Die Muskeln mit Sehnen im oberen Nacken sind mit ihren Nerven als ein Sinnesorgan aufzufassen, das Informationen in das Gehirn sendet, wo sie zu entsprechenden Reaktionen verarbeitet werden. Bei veränderten Zuständen, wie zum Beispiel Verspannungen, Bewegungsstörungen, Blockierungen oder Gleichgewichtsstörungen, werden auch entsprechend modifizierte Informationen zu o.g. Zentren im Gehirn weitergegeben. Mit der Atlastherapie gelingt es, diese veränderte Informationsverarbeitung zu normalisieren und den krankhaften Zustand zu bessern oder zu beheben.

Abb.: Schädel von hinten mit den oberen Halswirbelkörpern (Atlas, Axis) und deren mit Nervengeflecht durchzogenem MuskelsystemSchädel von hinten mit den oberen  Halswirbelkörpern (Atlas, Axis) und deren  mit Nervengeflecht durchzogenem  Muskelsystem

 

Auf das dreidimensional angeordnete Nackenmuskelsystem (s. Abb.) wird über den Atlasquerfortsatz ein sehr kurzer Impuls gegeben. Hierdurch kommt es zu einem ultrakurzen Informationsreiz auf die Nackennerven, wodurch sofort ein anderes Wahrnehmungsmuster oder "Informationsbild" im Gehirn entsteht. Dieser atlastherapeutische Impuls ist keineswegs beliebig, vielmehr müssen erforderliche Impulsrichtung und -stärke sowie Impulshäufigkeit für jeden Patienten individuell ermittelt werden. Zudem muss die Wirkung des therapeutischen Engriffes mittels Spannungstests der Haut und der Muskeln geprüft und kontrolliert werden.

Bei der Atlastherapie gibt es keine behandlungstypischen Risiken, da die technische Durchführung ohne Zug, Drehung oder Rückneige der Halswirbelsäule erfolgt. Eine Verletzung der Halswirbelsäulenarterien ist bei kunstgerechter Durchführung nicht vorstellbar und wurde auch noch nie beschrieben. Die Atlastherapie ist die schonendste aller manualmedizinischen Techniken.
Atlastherapie wird von approbierten Ärzten angewandt, die in der Regel die Zusatzbezeichnung "Chirotherapie" führen und eine spezielle Weiterbildung in der Atlastherapie nach ARLEN erfolgreich abgeschlossen haben. Für die Behandlung bewegungsgestörter Säuglinge und Kinder ist eine zusätzliche Ausbildung erforderlich. Beide. Ausbildungsgänge schließen mit einer schriftlichen, mündlichen und praktischen Prüfung ab. Zuständig für die Ausbildung ist die ÄMKA "Ärztegesellschaft für manuelle Kinderbehandlung und Atlastherapie“. www.aegamk.de
Hülse, Neuhuber, Wolff, Die obere Halswirbelsäule, Pathophysiologie und Klinik, Springer Verlag Ärztegesellschaft für Manuelle Kinderbehandlung und Atlastherapie, www.aegamk.de Manuelle Medizin, Springer Verlag

Ärztin: Hilke Lüder