Manuelle Medizin

Für Erwachsene, Kinder & Säuglinge

Hier erfahren Sie Wissenswertes zu unseren Therapieangeboten und den Therapeuten.

Ärztin: Hilke Lüder

Ärztin: Hilke Lüder                    PDF Vorstellung (97.2 KB)

Die Manuelle Medizin befasst sich mit speziellen diagnostischen und therapeutischen Verfahren, die der Erkennung und Behandlung von reversiblen Funktionsstörungen = sog. Blockierungen am Bewegungsapparat dienen. Sie benutzt hierbei spezielle Handgrifftechniken (manuelle Techniken) im Bereich der Extremitätengelenke, der Wirbelsäule, der Fascien (Muskelhäute), Sehnen, Muskulatur und der Nerven. In Deutschland wurde 2003 mit der Novellierung der Weiterbildungsordnung für Ärzte die Zusatzweiterbildung "Manuelle Medizin / Chirotherapie" fixiert. Der Begriff "Chirotherapie" ist Synonym der internationalen Bezeichnung "Manuelle Medizin". Die Chirotherapie ist in Deutschland seit 1976 eine geschützte Zusatzbezeichnung für Ärzte. Sie stellt ein evidenzbasiertes anerkanntes Verfahren dar. Bestimmte Teile der Manuellen Medizin werden als Manuelle Therapie auch von Physiotherapeuten durchgeführt. In Deutschland sind neben den Ärzten mit Zusatzbezeichnung "Chirotherapie" auch Heilpraktiker als Chiropraktoren tätig.

  • Kopfschmerzen, die auf Muskelverspannungen oder Blockierungen zurückzuführen sind
  • Nacken-, Schulter-, Armschmerzen
  • Bewegungsstörungen bei Gelenkverschleiß, Arthrosen
  • Muskuläre Dysbalancen, muskul. Triggerpunkte, Engpasssyndrome, Tennisarm
  • Schmerzen im Bereich der Brust-, Lendenwirbelsäule, Brustkorb, Ischiasschmerz, Beckenfunktionsstörungen
  • Bewegungsstörungen nach Verletzungen bei ausreichender knöcherner- und Bandstabilität
  • Kiefergelenksdysfunktionen
  • Tinnitus, Hörsturz, Gleichgewichtsstörungen
  • Säuglinge und Kinder mit Bewegungs- und Haltungsstörungen (mit spezieller Zusatzausbildung) s.u..

Viele Schmerzzustände des Bewegungsapparates sind bedingt durch funktionelle Störungen der Beweglichkeit in einem Bewegungssegment. Es gibt peripher-artikuläre Störungen in den Exträmitätengelenken und segmentale Bewegungs- oder Funktionsstörungen der Wirbelgelenke. Die moderne Manuelle Medizin geht immer von einer Komplexstörung aus. Nicht nur das Gelenk ist betroffen, sondern auch die unmittelbar dazugehörigen Strukturen wie Muskulatur, Fascien, Bänder, Haut, Bindegewebe und vegetative Nervenfasen. Deshalb müssen auch diese Strukturen in die Diagnostik und Therapie einbezogen werden. Die heutige Erklärung für die sog. Gelenkblockierungen geht von einer Irritation von Nervenrezeptoren mit Spannungsänderung der dazugehörigen Muskeln (neuromuskulärer Regelkreis) und gestörtem Muskelzusammenspiel aus. Der Bewegungsspielraum des Gelenkes wird beeinträchtigt. „Das Gelenk ist blockiert“. Als Folge entstehen pathologische motorische und vegetative Systemaktivierungen, die anfangs zu lokalen biochemischen Veränderungen wie Übersäuerung, Minderdurchblutung oder auch Nervenentzündung führen können. Diese Störinformation (Nozizeption) wird über Nervenverschaltungen aufsteigend zum Gehirn geleitet (Afferenz) und dann als Schmerz wahrgenommen oder sie führt zur unbewußten veränderten Bewegungs- und Haltungswahrnehmung (Tiefensensibilität). Wieder rückkoppelnde Informationen vom Gehirn zum Körper (Efferenz) bewirken eine negative Beeinflussung von Muskulatur, Wirbel- und Exträmitätengelenken. Es resultieren muskuläre Dysbalance, Bewegungs- und Koordinationsstörungen oder Schonhaltung. Ein Teufelskreis entsteht. Später können strukturelle Veränderungen wie muskuläre Triggerpunkte, einseitige Gelenkabnutzung, Muskelverkürzungen, Sehnenbeschwerden, Kapselschrumpfungen, Muskelatrophien und sekundäre Schmerzen folgen. „Blockierungen“ entstehen z. B. durch Fehl- und Überbelastung, Zerrungen und Stauchungen. Auch banale Geschehnisse wie Verdrehungen oder unbewußte Bewegungen im Schlaf können zu schmerzhaften Funktionsstörungen führen. Bei strukturellen Erkrankungen wie Gelenk- und Wirbelsäulenverschleiß (Arthrose), Bandscheibenvorfall, Verletzungen und anderen orthopädischen Erkrankungen sind fast regelhaft zusätzlich Funktionsstörungen zu finden. Diese orthopädischen Erkrankungen sollten deshalb auch unter manualmedizinischem Aspekt untersucht und behandelt werden.

Die Techniken der manuellen Medizin sind vielseitig, so dass alle o.g. anatomischen Strukturen berücksichtigt werden. Mobilisierung von Gelenken (Traktion, Gleitmobilisation) Manipulation (Gelenkbehandlungstechnik, die mit geringer Kraft Impulse hoher Geschwindigkeit und kleiner Amplitude vermittelt). Die Manipulation an der Wirbelsäule ist Ärzten vorbehalten. Die anderen genannten Techniken werden von Physiotherapeuten (Manuelle Therapie) sowie von Ärzten mit entsprechender Zusatzbezeichnung durchgeführt. Neuromuskuläre Weichteiltechniken: Verschiedene Entspannungs- und Dehntechniken dienen dazu, auf mitbetroffene Strukturen (Muskulatur, Bindegewebe, Fascien, etc.) Einfuß zu nehmen. Beispiele: myofasziale Lösungstechniken, reflektorische Detonisierung, Antagonistenhemmung, postisometrische Relaxation, Triggerpunktbehandlung.

 

An allen Funktionsstörungen des Bewegungssystem setzt die Manuelle Medizin/ Chirotherapie an. Die gezielten Behandlungstechniken greifen direkt in den neuromuskulären Regelkreis ein, nämlich am Gelenk als Zugang zum gesamten Störkomplex sowie an den Weichteilstrukturen (Muskeln, Fascien, Bindegewebe). Hier vermag das manuelle Einwirken die Reizschwelle, der zum Gelenkkomplex gehörenden Rezeptoren (Nervenzellen), zu ändern. Die funktionelle Störung wird behoben, d.h. die Gelenkbeweglichkeit wird vergrößert. Es resultiert eine verminderte Störmeldung zum Gehirn, wodurch physiologische Bewegungs- und Haltungsmuster wieder wirksam werden können. Bei Gelenk- und Wirbelsäulenverschleiß /Arthrosen kann durch die Manuelle Medizin nur die meist begleitende Funktionsstörung behoben werden. Hierdurch erfolgt jedoch meist eine Linderung der Beschwerden. Der Zeitpunkt einer notwendigen Op. kann ggf. hinausgezögert werden. Weiterhin ist die Manuelle Medizin mittlerweile ein wichtiger Bestandteil der modernen Schmerztherapie geworden. Ergebnisse der neurobiologischen Grundlagenforschung lassen vermuten, dass manualtherapeutische Verfahren schmerzhemmende Systeme des Körpers aktivieren sowie im Gehirn die Schmerzverarbeitung modifizieren.

Bei der Behandlung an den Extremitäten sind derzeit keine spezifischen und typischen Risiken bekannt, die einer Risikoaufklärung bedürften. Bei der Behandlung an der Wirbelsäule gibt es extrem seltene, für die Behandlungsmethode spezifische, typische Risiken, die auch bei größter ärztlicher Sorgfalt nicht restlos vermeidbar sind. Vorübergehend ( ein bis zwei Tage) können muskelkaterähnliche Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule und im Schulterbereich, gelegentlich auch Beschwerden in der Haut und selten leichter Schwindel und Kreislaufsymptome auftreten. Schwerwiegende Komplikationen sind extrem selten. Bei bestimmten Griffen an der Halswirbelsäule können in sehr seltenen Fällen (1:400.000 bis 1:2 Mio.) Hirndurchblutungsstörungen auftreten. Aus diesem Grund vermeide ich gefährdende Griffe grundsätzlich (Manipulationen an der HWS mit starker Rotation) und ergänze meine Behandlung mit anderen weichen Techniken (z.B. osteopathische Techniken, Triggerpunktbehandlung, postisometrische Relaxation, myofasciales Release, Atem- und Augenfascilitation). Hierbei ist das Auftreten von schwerwiegenden Komplikationen nicht bekannt.

Insgesamt verfolgt die manuelle Kinderbehandlung andere Ziele als die Erwachsenenbehandlung. Sie greift in ein unreifes Bewegungssystem ein und will dessen Entwicklung physiologisch beeinflussen. Es wird unterschieden zwischen Kindern mit Bewegungsauffälligkeiten durch Erkrankungen des Gehirns und Kindern mit gestörter Bewegungsentwicklung ohne Nachweis einer neurologischen Grunderkrankung. Kinder mit Erkrankungen des ZNS (zerebrale Bewegungsstörung) entwickeln als Sekundärpathologie (Folgeerkrankung) segmentale Funktionsstörungen. Hier beeinflusst die Manuelle Medizin die Grunderkrankung nicht. Allerdings kann man durch Senkung der erhöhten Muskelspannung und Lösung von segmentalen „Blockierungen“ Erleichterung schaffen. Die Behandlungen müssen wiederholt werden, wenn die Wirkung abgeklungen ist. Kinder oder Säuglinge ohne neurologische Grunderkrankung mit segmentalen Funktionsstörungen zeigen Besonderheiten von sonst normalen Bewegungsmustern (sensomotorische Dyskoordination, sog. KISS-Syndrom) oder erreichen bestimmte statomotorische Entwicklungsschritte verspätet. Genauso wie bei Erwachsenen können auch Schmerzen (z. B. sog. Schulkopfschmerz) Hinweis für Funktionsstörungen sein. Weiterhin werden bei diesen Kindern Wahrnehmungsstörungen als Sekundärpathologie diskutiert.
J. Dvarak, T.Graf-Baumann, M.Psczolla, G.Sitzer, Manuelle Medizin, Bertelsmann Stiftung 1990, J.Meyer-Holz, A. Ernst, Praxisbuch Wirbelsäulenschmerz, Thieme Verlag, Zeitschrift Manuelle Medizin, Springer Verlag, Deutsches Ärzteblatt, Jg.105 / Heft 3 / 18.1.2008 Deutsche Gesellschaft für Manuelle Medizin, www.dgmm.de Ärztegesellschaft für manuelle Kinderbehandlung und Atlastherapie, www.aegamk.de